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Mainzer Kirchen gegen Armut.

 

Reiche und Arme - eine biblische Sichtung

von Wolfgang Drewello

1 Der Mensch „an sich“

1.1 Sobald die Bibel anfängt, vom Menschen zu erzählen, erscheint dieser als ein Geschöpf in der Spannung zwischen Gegensätzen: zugleich „hochbegabt“ und „arm dran“. Diese Ge-gensätze schließen einander nicht aus, sondern stehen zueinander in Beziehung und wer-den in ein stimmiges Verhältnis gebracht. So und nicht anders ist der Mensch das Ebenbild Gottes, das sich mit SEINEM Segen in SEINEM Sinn so auf Erden verhalten kann, dass alle zu-recht kommen. Dazu bedarf der Mensch Anleitung und Hilfe. Diesen „pädagogisch-diakoni-schen“ Part übernimmt der Schöpfer selbst. Der Mensch muss lernen und lernt:

- Männlich und weiblich ist der Mensch vollständig.[1] Allein kommt „man“ nicht zurecht.

- Dem Menschen kommt so etwas wie die Rolle als „Statthalter“ Gottes[2] zu – und zugleich ist er unbeschützt und nackt.( Gen. 2, 25)

- Der Mensch hat den Auftrag, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren.- „Bearbeiten und Bewahren“ – das sind zwei Weisen von Verhalten, die nicht deckungsgleich sind; zwei Ziele oder zwei Pole, zwischen denen die Balance stets neu zu finden ist. Das ist so bis auf den heutigen Tag. Der Mensch ist da, „das Land zu bebauen“ (Gen. 2, 5). Sonst gibt es keinen Garten. Und der muss bearbeitet werden – sonst verwildert er. Bloß: wenn das „intensiv“, ohne „Nachhaltigkeit“, geschieht, ohne „Bewahren“, dann, wir wissen es, wird das Land zur Wüste.

- Der Mensch ist gesegnet wie kein anderes Geschöpf und mit dem Wissen des mündigen, er-wachsenen Geschöpfs begabt, dass das Leben kein „Kinderspiel“ ist, sondern „viel Mühsal“ und Arbeit[3] bedeutet – sowohl, wenn es ums Kinderkriegen geht, als auch, wenn es sich da-rum handelt, für den Lebensunterhalt zu sorgen. (Gen. 3, 16-19)

- Der Mensch ist, so könnte man in Anlehnung an Ps. 8, 6ff sagen, beinahe wie Gott und weiß, dass er, anders als Gott, vergänglich ist. (Gen. 3, 19)

- Der Mensch ist mit Vollmacht und Verantwortung versehen wie kein anderes Geschöpf und zugleich so, dass er sich nicht einfach sehen lassen kann. Der Schöpfer „höchstpersönlich“ fertigt für Mann und Frau Kleider an (zeigt ihnen auf diese Weise, wie das geht) und zieht sie ihnen an. (Gen. 3, 21)[4]

So, mit diesem „Wissen“ und dieses Wissen berücksichtigend, kann sich der Mensch sehen lassen – und wird, last but not least, liebenswürdig und liebensfähig.[5] Eines verträgt sich da-mit überhaupt nicht: Ausgrenzung. Ausgegrenzt zu werden aber geht von Anfang an mit jeg-licher Armutserfahrung einher.[6]

Damit bin ich beim Thema: [Lesen Sie hier den kompletten Text -> zum Download]

[1] Auch der „Erdling aus Erde“ (Gen. 2, 7) ist erst nach der „Operation“ (Gen. 2, 21f.) als Mann und Frau vollständig.
[2] Vgl. Ps. 8, 6ff
[3] Vgl. Ps. 90, 10
[4] Ich kenne nur noch zwei andere Stellen in der Bibel, in denen von Gott so die Rede ist, dass er in dieser Weise „höchstper-sönlich“ und mit eigener Hand an Menschen handelt: Dtn. 34, 6 (Gott begräbt Mose) und Offb. 21, 4 (Gott wischt jede Träne ab).
[5] Solchermaßen „qualifiziert“, ist das erste, was Adam und Eva tun: Sich zu lieben – mit allen Folgen! (Gen. 4, 1)

[6] Siehe unten 3.2.3 und 3.3.