Kirchliche Angebote gegen Armut in Mainz
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Mainzer Kirchen gegen Armut.

 

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„Ich brauche…“

Ein Flyer zum Ausdrucken mit Adressen, Tipps ,Kontakten für den Bereich der Mainzer Innenstadt

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Aufruf der Kirchen zur Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen

             

 

Kirchen rufen zur Gastfreundschaft für Flüchtlinge auf


Angesichts der aktuellen Debatten zur Aufnahme von Flüchtlingen in Mainz rufen die Mainzer Dekanate zur Solidarität mit den Flüchtlingen auf.

Wenn wir die dramatische Lage in Syrien und die Not in vielen anderen Ländern der Welt sehen, müssen auch wir in Mainz uns aufgefordert fühlen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Nicht nur das Beispiel des syrischen Bürgerkrieges zeigt die verzweifelte Lage der Menschen. Ein großer Teil der Menschen in diesen Ländern ist mittlerweile auf Hilfe angewiesen. Das syrische Flüchtlingsdrama ist eine der größten humanitären Katastrophen der vergangenen zehn Jahre. Kampfflugzeuge bombardieren Zivilgebäude, ganze Ortschaften werden von Artilleriegeschützen dem Erdboden gleichgemacht, Häuserkämpfe zwischen immer weiter zersplitternden Fraktionen toben, Unbeteiligte werden in Aleppo von Scharfschützen erschossen, wenn sie die Straße überqueren. Gewalt und Vertreibung dominieren in vielen Teilen Syriens mittlerweile den Alltag.

Deshalb sollten alle Ermessensspielräume großzügig genutzt werden, um Familien und deren Kindern, die durch Krieg und Gewalt traumatisiert sind, eine Perspektive in Sicherheit bieten zu können.

„Armut geht uns alle an!“

Kathrin Senger-Schäfer (Die Linke), Tabea Rößner (MdB/Bündnis 90/Die Grünen), Uli Röhm (Moderator), Michael Hartmann (MdB/SPD) und Ursula Groden-Kranich (CDU) (von links nach rechts)

 

Mindestlöhne, Sozialer Wohnungsbau und Finanzmittel

17.06.2013: Bundestagskandidaten diskutierten über Wege aus der Armut

100 Tage vor der Bundestagswahl trafen in Mainz erstmals Bundestagskandidaten des Landkreises Mainz-Bingen zusammen, um bei der Podiumsdiskussion  „Armut geht uns alle an – Wege zu mehr Gerechtigkeit!“ Rede und Antwort zu stehen. Bei hochsommerlichen Temperaturen waren die Politiker Ursula Groden-Kranich (CDU), Michael Hartmann (MdB/SPD), Tabea Rößner (MdB/Bündnis 90/Die Grünen) und Kathrin Senger-Schäfer (Die Linke) der Einladung der Mainzer Kirchen und des Caritas-Verbandes gefolgt und tauschten ihre Positionen zu Kinderarmut, Mittelkürzungen, Mindestlohn und  Mietpreissteigerung aus. Seit rund drei Jahren arbeiten das Katholische Dekanat Mainz-Stadt und das Evangelische Dekanat Mainz sowie der Bezirkscaritasverband Mainz und die Diakonie Mainz-Bingen in einer ökumenischen Arbeitsgruppe zusammen. Auftrag und Ziel ist, Schritte gegen Armut, besonders Kinderarmut, in Mainz zu entwickeln und durchzuführen. Dazu gehört auch, sich politisch für Gerechtigkeit einzusetzen.

Die Brisanz der Themen Armut und Gerechtigkeit in Mainz verdeutlichte Moderator und Wirtschaftsjournalist Uli Röhm. In Mainz leben mehr als 15 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze – davon sind auch 4.300 Kinder und Jugendliche betroffen. Welche Auswirkungen die Armut in einzelnen Stadtteilen hat, zeigten Beispiele wie der Brotkorb aus Mainz-Weisenau, der circa 180 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, das Centrum der Begegnung am Sonnigen Hang in Mainz-Marienborn, das Kinder aus prekären Familienverhältnissen unterstützt oder das Egli-Haus für Wohnungslose Menschen in der Mainzer Neustadt. „Wir wünschen uns alle von der Politik, dass solche Projekte überflüssig werden“, forderte Birgit Sommerfeld vom Centrum der Begegnung, „Und solange dies nicht der Fall ist, benötigen wir bessere finanzielle Förderung. Es ist furchtbar, dass wir den paar Kröten, die wir für ein Streetwork-Projekt brauchen, so hinterher laufen müssen. Diese Kraft und Zeit, die wir für Finanzierungsfragen aufbringen müssen, könnten wir besser in unsere Arbeit stecken. Es kann nicht sein, dass wir immer mehr staatliche Aufgaben übernehmen, uns aber die Gelder gestrichen werden!“

Dem stimmt auch MdB Hartmann zu: „Es gibt momentan eine Fehlsteuerung der Finanzmittel. Für Hoteliers werden Steuern gesenkt, aber im sozialen Bereich wird kein Geld bereitgestellt.“ Auch Rößner schloss sich dieser Meinung an und kritisierte vor allem das neu eingeführte Betreuungsgeld. Das Betreuungsgeld sei eine völlig falsche Maßnahme, um Bildungsgerechtigkeit zu schaffen und Kinder früh zu fördern. Das Geld solle besser genutzt werden, um Betreuungsangebote auszubauen. Groden-Kranich betonte den direkten Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Armut, daher müssten ihrer Ansicht nach Arbeitsplätze gefördert werden, da dies die Basis wäre, um „nicht in Armt zu fallen.“ Dem setzte Senger-Schäfer entgegen, dass auch viele Menschen trotz Arbeitsplatz unterhalb der Armutsgrenze lebten und plädierte für feste Mindestlöhne: „Armut hat wirtschaftspolitische Hintergründe. Wenn wir etwas gegen Armut tun möchten, müssen wir umverteilen. Es gibt dafür Modelle, es fehlt bisher nur der politische Wille.“

Besondere Kritik wurde an der Mietpreissteigerung geäußert. Rößner warf der CDU vor, eine Chance bei der erst kürzlich beschlossenen Mietrechtsreform vergeben zu haben. Die Reform stärke wieder die Vermieter und wirke nicht der Armut entgegen, die durch immer höhere Mieten entstünde. Groden-Kranich widersprach diesem Vorwurf energisch. Der Staat könne nicht alles regeln, vielmehr seien auch die Unternehmen und Kommunen gefragt, sozialen Wohnungsbau zu schaffen.

(Juliane Diel, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Mainz)

 

Mainzerinnen und Mainzer zeigten reges Interesse an der Veranstaltung - trotz hochsommerlicher Temperatur

 

Fotos: Gisela Apitzsch

Pressekonferenz "Mainzer Kirchen helfen"

Am 24.2.2012, findet um 11:30 Uhr eine Pressekonferenz in der Altmünstergemeinde in Mainz statt.

Die kirchliche Initiative "7 Jahre gegen Armut in Mainz" stellt ihre aktuelle Broschüre mit kirchlichen Angeboten gegen Armuth in Mainz vor. Gleichzeitig wird auch die neue Website www.mainzer-kirchen-helfen.de präsentiert.

Suchet der Stadt Bestes

Gemeinwesendiakonie neu entdeckt

Der Auftrag, für das eigene Lebensumfeld gestaltend Verantwortung zu übernehmen (Gen. 2,15) ist uns als der erste und grundlegende Auftrag Gottes an die Menschen überliefert. Ursprünglich erteilt, als dieses Umfeld als Garten beschrieben wurde, als noch „alles gut“ war, wurde er von Jeremia wiederholt und sogar verstärkt in einer als fremd und eher feindlich erlebten Umgebung (Jer. 29, 7). Auch als Weggeführte und Zwangsmigranten sollten sich die Menschen dafür einsetzen und dafür beten, dass es der Stadt, in der sie lebten „gut geht“. Aus dieser Tradition heraus gehört es für Christinnen und Christen zu jeder Zeit und in jeder Situation zu den Grundelementen ihres  Glaubens, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Interessant und wichtig ist dabei auch die Begründung. Engagement für das Lebensumfeld ist uns nicht aufgetragen als selbstloses oder gar gegen die eigenen Interessen gerichtetes Handeln, sondern gerade im eigenen Interesse sollen wir als Gemeinde und Kirche Sorge dafür tragen, dass es der Stadt oder dem Stadtteil gut geht. „Denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl“ schreibt Jeremia.

Seit einiger Zeit wird die Frage, wie Kirchengemeinden in ihrer Stadt oder ihrem Stadtteil verankert sind und ihn als Lebensraum mitgestalten, von Kirche und Diakonie neu diskutiert. Entscheidend und neu  dabei ist, dass sie dies gemeinsam tun. Über Jahre war zuvor eine andere Entwicklung beobachtet worden. Kirchliche und mehr noch Einrichtungen der Diakonie waren teilweise der Gefahr der Selbstsäkularisierung erlegen. Durch intensives politisches und soziales Engagement drohten sie, die Bindung an ihre spirituellen

Wurzeln zu verlieren. An manchen Orten setzte aber auch eine Gegenbewegung ein. Im Rahmen eines EKD Forums sagte Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, heute sei die Gefahr der Kirche nicht mehr, dass sie sich zu viel um die Welt kümmere und dabei die eigene Frömmigkeit vergesse. Die größere Gefahr sei heute der Rückzug der Kirche in die eigenen Gemeinschaften und spirituellen Kulturen, der mit einer Entpolitisierung einhergehe. Eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Kirche in der Zivilgesellschaft sei deshalb dringend geboten. Dafür, mit wachen Augen und Ohren wahrzunehmen, wie Menschen leben und was sie brauchen, bieten sich in den Gemeinden und Dekanaten zahlreiche Ansatzpunkte. Durch die täglichen Kontakte mit Kindern und Eltern in Kindertagesstätten, durch Krabbelgruppen, Jugendgruppen und Konfirmandenarbeit, im Rahmen von Geburtstags-besuchen und Kasualgesprächen erhalten Gemeinden Information, die in die Gestaltung des Stadtteils einfließen kann  - konkret z.B. in die Entwicklung und Angebotskonzepte von Mehrgenerationenhäusern oder Familienzentren, an denen vielerorts kirchliche und diakonische Einrichtungen beteiligt sind.  

Im Rahmen ihres ökumenischen Projektes „Schritte gegen Armut“ haben das evangelische und das katholische Dekanat Mainz in Zusammenarbeit mit dem regionalen Diakonischen Werk Mainz-Bingen und der Caritas Mainz soeben eine Broschüre veröffentlicht (erhältlich im Evangelischen Dekanat, Gisela Apitzsch, sowie auch im Gemeindebüro), in der die kirchlichen Angebote zur Armutsbekämpfung und Armutsprävention zusammengefasst wurden. Sie zeigt, dass es neben den Projekten auf Dekanatsebene zahlreiche niedrigschwellige Unterstützungs-, Gesprächs- und Beratungsangebote für Eltern, Treffpunkte für Erwerbslose, Hausaufgabenbetreuung u.a. in den Stadtteilen gibt, in denen Gemeindemitglieder sich ehrenamtlich engagieren oder auch ergänzende professionelle Angebote finanzieren. Sie alle zielen darauf, die Teilhabechancen für alle zu verbessern. Es geht dabei nicht primär um Mitgliederwerbung oder stärkeren Gottesdienstbesuch sondern darum, die Lebensbedingungen insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, Armut im Wohnquartier wahrzunehmen aber auch Vereinsamung insbesondere von Älteren und damit verbundene Ausgrenzung zu überwinden.

Kirche und Diakonie wollen Nachbarschaften und Wohnquartiere als ihre „Aktionsräume“ trotz aller finanziellen und strukturellen Hemmnisse neu in den Blick nehmen und zusammen mit Kommunen und Vereinen neue Kooperationsformen entwickeln. Dabei ist es oft hilfreich, über die eigenen Gemeindegrenzen hinwegzuschauen und gemeinsam mit Nachbargemeinden neue Lösungen zu entwickeln, wie dies z.B. die drei evangelischen Gemeinden in der Mainzer Neustadt getan haben, die mit Unterstützung der Adolf-Görz-Stiftung zusammen eine Familienhelferin eingestellt haben.

Brigitte Bertelmann